de en

DAS PHÄNOMEN LINDENBERG – HAUPTDARSTELLER JAN BÜLOW IM GESPRÄCH

DEN ERFOLGREICHSTEN DCM-KINOFILM IM JAHR 2020 FEIERTE DAS GESAMTE FILM- UND DCM TEAM MIT EINER AUSLADENDEN PREMIERENTOUR, NOCH KURZ BEVOR DIE CORONA-PANDEMIE DIE (KINO-) WELT HAT STILLSTEHEN LASSEN. UMSO MEHR DENKEN WIR MIT WEHMUT AN DIE TURBULENTE LINDENBERG-REISE ZURÜCK, DEREN STARTPUNKT DIE WELTPREMIERE AM 07. JANUAR 2020 IN HAMBURG MARKIERTE.

Im Cinemaxx am Dammtor fieberte DCM mit knapp 3000 Gästen, Cast und Crew dem großen Auftritt von Altmeister Udo Lindenberg entgegen. Im Anschluss an die Weltpremiere folgten weitere Zwischenstopps in Essen, Berlin, Hannover, Oldenburg, Bremen, Leipzig, Frankfurt, München und Rostock. Udo selbst war bei nahezu allen Stationen mit dabei und unterstützte den Hauptdarsteller Jan Bülow, der den Rocker meisterhaft verkörpert und bis dato noch keine größeren Bühnenauftritte vor Filmpublikum gewohnt war. Bis zur lang ersehnten Premiere des fertigen Films dauerte es ganze sieben Jahre. Ein langer Weg also – und genug Zeit für den Nachwuchsschauspieler in die Rolle „Udo Lindenberg“ ganz allmählich hineinzuwachsen.

Welches Bild von Udo Lindenberg hatten Sie im Kopf, als Ihnen die Rolle angeboten wurde?

Dass er eine deutschsprachige Musiklegende ist, war mir klar. Ein bedeutender Mensch und Musiker. Eine deutsche Instanz, um die man nicht herumkommt. Ich hatte auch im Kopf, dass er einiges bewegt hat und dass er eine Art deutsch-deutscher Botschafter war. Ich glaube sogar, dass Udo bei uns Thema in der Schule war. Andererseits hielt ich ihn da noch für einen ziemlich speziellen Star: ein komischer Vogel mit seiner Zigarre, seinem Hut, seiner Sonnenbrille und seinen grünen Socken – mit einer eingefleischten Fangemeinde. Irgendwie ein Wesen aus einer anderen Zeit und gleichzeitig zeitlos.

Hatten Sie „übergroßen“ Respekt, eine solche Ikone zu spielen?

Ja, auf jeden Fall. Ich war verdammt aufgeregt. Genauso aufgeregt wie bei meiner ersten Rolle in Zürich am Theater, die eben nicht irgendeine Rolle war, sondern gleich Hamlet. Jedenfalls habe ich mir sehr viele Gedanken gemacht und ich hatte wahnsinnige Angst, etwas falsch zu machen oder zu interpretieren. Aber Hermine Huntgeburth und das Team haben mir sehr geholfen, diese Ängste beiseite zu legen und es wurde von Drehtag zu Drehtag immer besser. Ganz frei davon war ich wohl nie, aber am Ende war ich schon um einiges gelassener. Es ist einfach eine besondere Herausforderung, eine nicht nur reale, sondern auch noch lebende Person zu spielen. Da will man nichts falsch machen, aber gleichzeitig darf man sich eben davon auch nicht zu sehr einschüchtern lassen.

Was hat Ihnen bei diesem Kennenlernen am meisten geholfen – seine Biografie oder seine Musik?

Ich habe Udo aus vielen Perspektiven kennengelernt. Ich habe ihn persönlich getroffen, habe das Drehbuch durchgearbeitet, mir Auftritte angesehen, Artikel und Bücher über ihn gelesen, mich mit seinem Leben auseinandergesetzt. Ich habe seine Musik gehört und mir seine Texte genauer angeschaut. Das alles hat geholfen, ihm näher zu kommen, aber dass ich ihn wirklich kenne und verstehe, das würde ich auch jetzt noch nicht behaupten wollen. Ich lerne ihn immer noch kennen.

Und das, obwohl Sie ihn ja auch sogar in seinem Heim – im Hotel Atlantik – besucht haben. Wie waren die Treffen mit ihm?

Ich war super aufgeregt vor unserem ersten Treffen und das hat sich auch nicht unbedingt dadurch gelegt, dass wir sofort per du waren und er mich im Scherz damit begrüßte, dass ich also sein „Heldenepos“ nachspiele. Es gibt ja schließlich sowieso kaum jemanden, der mit Udo nicht per du ist. Das Schöne war, dass wir einfach geredet haben: über Musik, über Bruce Springsteen, über Miles Davis, über Gott und die Welt und zwischendrin immer wieder über ihn. Auch wenn er also ein paar Fragen, die ich hatte, beantwortet hat, wurde mir im Laufe des Gesprächs immer mehr klar, dass diese Antworten oder absolut exakte Informationen über irgendwelche Kindheitserlebnisse nicht entscheidend sind, sondern ein Gefühl für ihn.

Wie haben Sie sich ansonsten auf die Rolle vorbereitet?

Neben den Büchern über ihn und seiner Musik habe ich am Anfang schon versucht, die Dinge zu lernen, die ihn ausmachen. Seine Stimme, sein Gesang. Ich habe auch Schlagzeug spielen gelernt. Ich wollte so nah wie möglich an Udo rankommen und habe mir alles Mögliche überlegt. Wir wollten aber keine Udo-Kopie – das war auch eine der klaren Vorgaben von Hermine Huntgeburth. Wenn man zu sehr kopiert, dann besteht die Gefahr, dass aus der Kopie eine Karikatur wird. Kurz gesagt, bei aller Mühe, bei aller Recherche, bei all den Vorgaben muss man trotzdem seinen eigenen Weg finden. Man darf sich nicht ständig fragen, wie hätte Udo das gemacht, sondern man muss sich treiben lassen, sich auf diese Reise einlassen, als würde man sie selber machen – ein bisschen so, als würde man in eine Achterbahn einsteigen. Da weiß man ja auch vorher nicht, was hinter der nächsten Kurve kommt.

Sie haben ja die Udo-Lieder im Film auch selbst eingesungen? Wie schwierig war es, die richtige Mischung aus eigener Interpretation zu finden und gleichzeitig Lindenberg zu „sein“?

Das war im Grunde ähnlich wie die Rolle selbst. Ich habe anfangs viel versucht, Udo so nahe wie möglich zu kommen, aber Hermine und die Producer von Udo haben alle gesagt, ich soll einfach alles so machen, wie ich es mache. So wie es schön klingt. Mit Respekt fürs Original, aber auch mit einer gewissen Eigensinnigkeit. Wir haben im Grunde auch beim Gesang sehr darauf geachtet, dass wir keine Udo-Kopie abliefern, sondern eine Udo-Interpretation. Und außerdem darf man nicht vergessen, dass der Film ja nicht den Udo zeigen will, den wir alle kennen, sondern wie er zu diesem Udo Lindenberg wurde, zu dieser Ikone.

WIR WOLLEN DEN MENSCHEN ZEIGEN UND DIESER MENSCH IST
EINFACH JEMAND, DER IMMER SEIN DING MACHT.
Jan Bülow