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NICHTS ALS DIE WAHRHEIT –
ÜBER LOCARNO UND MARTIN SUTER

Nach den sinflutartigen Regenfällen zu unserer Premiere von „MONTE VERITÀ“ 2021 auf der Piazza Grande, hätten die Wetterbedingungen dieses Jahr kaum besser sein können. Locarno zeigte sich von seiner schönsten, magischsten Seite: Sonne am Tag, Vollmond bei Nacht – wolkenlos jederzeit. Entsprechend euphorisch war die Stimmung im Ticino, wo „ALLES ÜBER MARTIN SUTER. AUSSER DIE WAHRHEIT“ grosse Weltpremiere feiern durfte.

©Locarno Film Festival

In Anwesenheit von Martin Suter, seiner Frau Margrith Nay Suter, Tochter Ana Suter, dem Regisseur André Schäfer, sowie den Produzenten Nadine Lüchinger, Flavio Gerber und Jascha Hannover, war es ein Abend von, mit und vor allem über den Bestsellerautor Martin Suter.

Ein gebührender Abschluss des diesjährigen Fetsivals, welches mit ALLES ÜBER MARTIN SUTER. AUSSER DIE WAHRHEIT auf der Piazza Grande nicht nur den wohl bekanntesten und erfolgreichsten zeitgenössischen Schweizer Autor ehrte, sondern gleichzeitig den Schweizer Film ins Rampenlicht rückte. Das Festival setzte an diesem Abend ein Statement für den Schweizer Film sowie die Schweizer Filmbranche und blickt hoffnungsvoll in Richtung 76. Ausgabe.

 

Erster Termin: 09:30 Uhr, Press Village.  Photocall, Pressekonferenz und erste Interviews  – meist mit Regisseur André Schäfer und Produzentin Nadine Lüchinger, immer mit Martin Suter. Nach dem offiziellen Festival Lunch und weiteren Presseterminen gings für alle wieder zurück ins Hotel, um sich auf die grosse Premiere vorzubereiten.

Um 19:00 Uhr traf die Delegation beim ersten Stop des Abends ein: Das Ristorante Sensi, gelegen am Ufer des Lago Maggiore, war die Location des Standing Dinners, welches vom Festival organisiert wurde. Inmitten von Häppchen und Prosecco war die Nervosität allerdings langsam deutlich zu spüren.

 

 

Gegen 20:30 Uhr machten sich die Gäste auf zum Mittelpunkt des Geschehens, der Piazza Grande. Auf dem Red Carpet wurden noch mehr Fotos gemacht und das eine oder andere Interview geführt, als Marco Solari, der Präsident des Festivals, an diesem letzten Abend des Festivals 2022 die offizielle Award Ceremony eröffnete. Kurz nach 21:30 Uhr war es endlich soweit: Bühne frei für den Hauptfilm! Artistic Director Giona A. Nazzaro begrüsst auf der Bühne, stellt zwei Fragen, und spannt die ca. 6000 Zuschauer:inne nicht mehr länger auf die Folter.

Der Beifall war gross, als wie durch Zauberhand sämtliche Lichter der umliegenden Häsuer, Restaurants und Cafés gelöscht wurden, und der Sprecher verkündete:

Il 75. Locarno Film Festival presenta: ALLES ÜBER MARTIN SUTER. AUSSER DIE WAHRHEIT. Di André Schäfer. Svizzera/Germania. Prima mondiale.

Über den Film selbst wollen wir an dieser Stelle nichts vorwegnehmen. So viel sei jedoch gesagt: auf der After Party in der Rotonda, organisiert von die Mobiliar, wurde am späten Abend noch ausgiebig darüber diskutiert, ob man nun denn – wie Stephan Eicher im Abspann singt – „wirklich mehr wisse, vom Suter“ (Antwort der Redaktion: natürlich! Nur: Ist es auch die Wahrheit?), oder ob die Wahrheit tief verborgen in seinen Büchern liegt.

Denn dadurch, dass der Titel verspricht, alles, ausser die Wahrheit eben, über den Autor zu offenbaren, war das Publikum selbstverständlich während und nach dem Film mit genau dieser Frage konfrontiert. Fiktion trifft auf Dokumentation, Fantasie verschmilzt mit Realität – die Wahrheit wird gesucht. Aber die Antwort darauf, was welcher Ebene zuzuordnen ist, nicht universell gefunden. Und das ist gut so. Denn, ganz nach dem Credo des Martin Suter: Dieses Geheimnis muss bleiben.

Und genau das brachte u.a. Patrick Rohr auf den Punkt:

„Es gibt im Film diese Momente, in denen etwas ganz Persönliches durchschimmert; in denen man Martin Suter in einem sehr intimen Moment ertappt. Und dennoch gelingt es ihm, über 90min ein Mysterium zu bleiben. Und genau das ist denke ich das Faszinosum dieses Films.“